Polen, so nah und doch so fremd. Zwischen Polen und Deutschland, manchmal auch in der DDR.

Gastbeitrag aus dem Eastsplaining Substack (14) – Der Mythos vom „Völkermord in Donbass“

Es ist meine Übersetzung der Beiträge aus Eastsplaining Substack, der Autor dieser Texte ist mit der Übersetzung und Veröffentlichung einverstanden. Quelle (englisch): https://eastsplaining.substack.com/p/the-myth-of-the-genocide-in-donbas

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Der Mythos vom "Völkermord in Donbass"

Mit einer Portion "ukrainischer Biolabore"!

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Ein zufälliges Ergebnis der Suche nach „Genozid im Donbass“ auf Facebook. Übersetzung:
"Über 14.000 Zivilisten russischer Abstammung wurden im Donbass von von den USA ausgebildeten Soldaten getötet..."

Wahrscheinlich bist du dieser Person mindestens einmal im Internet begegnet - jemanden, der wirklich davon überzeugt ist, dass die Ukraine seit 2014 im Donbass einen Völkermord begeht und 14 000 russischsprachige Bürgerinnen und Bürger tötete. Der oben abgebildete Screenshot ist ein Beispiel für eine solche Behauptung.

Wenn du diese Person wieder triffst, tue mir bitte einen Gefallen: Frage sie nach der Quelle für diese Informationen.

Natürlich weiß ich, und du weißt es auch, dass solche Personen die westlich-imperialistische Vorstellung von "Quellen" ablehnen. Normalerweise schreckt sie diese Frage einfach ab, und die einzige Antwort, die du erhältst ist, dass du geblockt wirst. Aber vielleicht hast du mehr Glück als ich?

Diese Propaganda-Behauptung ist zu absurd, um für innenpolitische Zwecke verwendet zu werden. Russische Medien sagen es nicht auf Russisch, aber sie behaupten es in westlichen Sprachen - dieser spezielle Screenshot stammt aus einem Propagandakanal, der eindeutig für Afrika bestimmt ist.

Mit gesundem Menschenverstand ist das aber nicht zu erklären. War es ein einziges Massaker mit 14.000 Toten? Dann sollte es ein konkretes Datum und einen konkreten Ort haben, richtig? Wann und wo genau ist es denn passiert?

Oder waren es vielleicht - sagen wir - 7 Massaker pro 2k? Oder vielleicht töteten die berühmten ukrainischen Nazi-Todesschwadronen 5 Menschen pro Tag? Okay, okay, aber wo sind die Gräber? Wo sind die Beweise, die das belegen?

Da es unmöglich ist, eine Antwort auf diese Frage zu finden, gehe ich davon aus, dass die Zahl von "14000 Opfern" einfach dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen-Bericht von Anfang 2022 entnommen wurde, der unten zitiert wird. Die zwei Zahlen sind doch sehr ähnlich, oder?

Ein Ausschnitt aus dem UN-Bericht zum Krieg in der Ukraine 2014–2022

Aber die Sache ist die: Es handelt sich NICHT um die Zahl der Opfer der mythischen "ukrainischen Nazis". Es ist die Gesamtzahl der Opfer auf BEIDEN Seiten des Konflikts.

Soldaten beider Seiten machen den Großteil dieser Zahl aus. Es handelt sich um etwa 4400 ukrainische Soldaten und 6500 der "bewaffneten Gruppen" (wie der Bericht treffend die von Russland geführten Paramilitärs beschreibt, die 2014 in die Ukraine einmarschierten und sich als "lokale Separatisten" ausgaben).

Etwa 3400 sind Zivilisten. Wiederum: auf BEIDEN SEITEN. Diese Zahl schließt 298 Opfer des zivilen Passagierflugzeugs MH-17 ein, das von den russisch geführten Paramilitärs abgeschossen wurde. Igor Girkin (geboren in Moskau, wohnhaft in Moskau, der als "Anführer der Donbass-Separatisten" fungierte) ist eine der drei Personen, die in Abwesenheit für dieses Kriegsverbrechen verurteilt wurden.

Übrigens: Die Grafik zeigt, dass die meisten Opfer in den ersten beiden Jahren des Krieges zu beklagen waren. Nach 2018 war der Konflikt nicht mehr so intensiv, sondern beschränkte sich auf Gegenbatteriefeuerduelle (die russischen Propagandisten bezeichnen diese Duelle als "ukrainischen Beschuss im Donbass", so als ob die Russen aus irgendeinem Grund nicht geschossen hätten). Dies zeigt einmal mehr, wie falsch es ist, zu glauben, dass "Russland keine andere Möglichkeit hatte, als einzumarschieren, um das Massaker an 25 Soldaten pro Jahr auf beiden Seiten zu beenden".

Ähnlich wie bei den "ukrainischen Biolaboren" nimmt diese Propaganda-Behauptung einige echte Informationen ("14000 Opfer der russischen Invasion") und verdreht sie in "14000 Opfer des ukrainischen Völkermords". Für Unwissende oder böswillige Personen wie Elon Musk oder Aaron Mate ist das ein gefundenes Fressen.

Glenn Greenwald regt sich über den Biolabor-Nothingburger auf (aus seinem Twitter-Profil). Übersetzung: "Die Ukraine verfüge über "biologische Forschungseinrichtungen", sagte Unterstaatssekretärin Victoria Nuland auf die Frage von Senator Rubio, ob die Ukraine über biologische oder chemische Waffen verfüge, und äußerte die Befürchtung, dass Russland in den Besitz dieser gelangen könnte. Aber sie sagt, sie sei sich zu 100% sicher, dass ein biologischer Angriff von Russland ausginge."

Ähnlich wurde mit den berühmten "ukrainischen Biolabore" verfahren. Jedes Land hat biologische Labore. Sogar in der Grundschule, in der ich vor Jahren meinen Abschluss gemacht habe, gab es eines.

"Oh nein, wir meinen nicht diese Art von Biolaboren, wir meinen das, in dem die bösen Wissenschaftler biologische Waffen entwickeln, während sie diabolisch lachen!" - Ja, OK, aber wo sind die Beweise für DIESE Art von Biolaboren in der Ukraine? Wieder - nirgends.

"Aber Victoria Nuland hat zugegeben...". Was zugegeben? Die Existenz von Laboren in der Ukraine? Natürlich gibt es sie. Die gibt es in jedem Land.

Dass sie gefährliches Material enthalten? Natürlich enthalten sie gefährliche Stoffe. Obwohl ich persönlich eher zu den Chemielabors tendieren würde - selbst in einem durchschnittlichen Chemielabor in der Schule gibt es wirklich gefährliche Sachen (du willst nicht mit dem Chlorwasserstoffgas herumspielen, Junge).

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Meine Ergänzung: Ich hatte auch Diskussionen mit Russlandverstehern über die "ukrainischen Biolabore". Deren Behauptung war, es gebe zehntausende von durchgesickerten ukrainischen Dokumenten die beweisen, dass die Ukrainer an biologischen Waffen gearbeitet hätten, diese Arbeit von USA beauftragt würde, und alle diese Dokumente seien im Internet zu sehen. Einen Link dazu konnte ich aber nicht bekommen.

Dann suchte ich selber danach, und alles was ich von diesen "zehntausenden" finden konnte, war etwa 20 Dokumente auf Englisch und Ukrainisch. Die kamen wirklich aus einem zur Armee gehörendem Institut, und betrafen meistens klinische Versuche. Die Leiter und Probanden waren Soldaten. Es ging um ein Präparat, das du dir selber legal kaufen kannst -  kolloidale Fullerene C60. Ein richtiger Grund für den Krieg, oder?

Falls du einen Link zu gefährlicheren ukrainischen Dokumenten hast, schick mir ihn bitte, ich lese die gerne. Aber ich glaube nicht, dass die russische Propaganda hier Recht hat - die sagen nur ausnahmsweise Wahrheit (oder wenn sie sich versprechen). 

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Kategorie:Ostklärung

Kommentar

Gastbeitrag aus dem Eastsplaining Substack (13) – Plädoyer für eine stärkere NATO

Es ist meine Übersetzung der Beiträge aus Eastsplaining Substack, der Autor dieser Texte ist mit der Übersetzung und Veröffentlichung einverstanden. Quelle (englisch): https://eastsplaining.substack.com/p/the-case-for-stronger-nato

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Plädoyer für eine stärkere NATO

Warum sind die östlichen Länder die proatlantischsten in Europa?

In meinem letzten Beitrag erwähnte ich beiläufig das schlimmste geopolitische Alptraumszenario für die "kleinen Länder" Osteuropas. Es handelt sich um ein Bündnis ähnlich dem Molotow-Ribbentrop-Pakt von 1939 oder dem Wiener Kongress von 1815, bei dem die europäischen Großmächte (insbesondere Deutschland und Russland) gemeinsam beschlossen, dass die "kleinen Länder" nicht existieren und von ihren größeren Nachbarn aufgeteilt/aufgelöst/marionettiert werden sollten.

"Oh Mist! Wir haben den Balkan vergessen…", ein BBC-Sketch aus der Serie "A Bit of Fry and Laurie", in dem das frühe Europa nach dem Kalten Krieg auf die Schippe genommen wird (vorgeblich der Westfälische Vertrag)

In dieser Notiz gehe ich von der Annahme aus, dass die "kleinen Länder" besser dran sind, wenn sie unabhängig sind. Einige Leute werden anderer Meinung sein - so wie heute einige behaupten, dass die Ukraine besser dran wäre, wenn sie von Russland annektiert würde ("da sie die gleiche Sprache sprechen" usw.).

Einige Leute behaupteten auch, dass der Kolonialismus eine gute Sache sei, weil all diese undankbaren Eingeborenen unter der Herrschaft der Weißen besser dran seien. Erstaunlicherweise handelt es sich oft um die gleichen Leute, die der „Schule der Realpolitik“ angehören.

Eine ausführliche Debatte über dieses Argument würde zu weit vom Thema dieser Notiz abschweifen (falls gewünscht, kann ich sie in Zukunft erweitern). Heute sage ich einfach "Schwachsinn" zu all den Mearsheimers und Kissingers dieser Welt und mache weiter.

Lassen Sie mich mit der offensichtlichen, aber häufig vergessenen Tatsache beginnen, dass die NATO auf den Schutz kleiner Länder ausgerichtet ist. Sie können bei wichtigen Entscheidungen ein Veto einlegen – und obwohl Ungarn dieses Recht offensichtlich missbraucht, bin ich immer noch froh, dass sie es haben.

Sowohl die NATO als auch die Europäische Union (damals: nur Gemeinschaft) wurden weitgehend von Politikern aus kleinen Ländern entworfen. Der Belgier Paul-Henri Spaak kann als einer der Gründerväter sowohl der NATO als auch der EU (EG) angesehen werden.

Der derzeitige NATO-Generalsekretär stammt aus Norwegen. Der vorherige kam aus Dänemark. Petr Pavel, der Präsident von Tschechien, machte seine Karriere in der Politik über seine Führungsposition in der NATO. Ich denke, ich brauche keine weiteren Beispiele, um zu zeigen, dass die NATO im Allgemeinen ein guter Ort für kleine Länder ist – wir können die Entscheidungen nuklearer Supermächte, unserer Verbündeten, ablehnen oder überstimmen, unsere Stimmen werden gehört und häufig mit „Jawohl!“ beantwortet.

Das ist einzigartig. Mir fallen einige ähnliche Militärbündnisse im Mittelalter oder in der Antike ein, aber nicht in der Neuzeit ("neuzeitlich" im Sinne von: seit dem Westfälischen Frieden von 1648, es ist also eine ziemlich großzügige Definition von Neuzeit).

Ein typisches modernes Militärbündnis besteht entweder aus einem hegemonialen Staat, der von seinen Klienten-/Marionetten-/Vasallenstaaten begleitet wird (z.B. Warschauer Pakt), oder es ist eine Vereinigung von Hegemonen, die untereinander entscheiden, wie sie andere Nationen aufteilen, kolonisieren und beherrschen. Ein typisches Beispiel ist die „Pentarchie“, die sich aus der „Heiligen Allianz“ entwickelt hat, die ich im vorherigen Beitrag erwähnt habe – europäische Supermächte, teilten Asien, Afrika, der Karibik, aber auch Osteuropa fröhlich unter sich auf und zogen die neuen Grenzen, ohne sich die Mühe zu machen, die Einheimischen zu fragen, was sie davon halten.

Nun, zumindest seit den Zeiten Karls des Großen, hat es in Europa IMMER irgendein System von Bündnissen gegeben, vom mittelalterlichen Universalismus der „Res Publica Christiana“ bis zur Gegenwart. Angenommen, wir lösen die NATO morgen auf - ETWAS muss sie ersetzen, sonst werden wir einen Krieg aller gegen alle haben (wie es in Europa mehr als einmal passiert ist).

Aus der Sicht eines kleinen Landes (einige polnische Autoren betonen gerne, dass wir eigentlich als „mittelgroß“ gelten, aber ich denke, je weiter man mit der Größe ins Detail geht, desto peinlicher wird es) stellt sich die Frage: wird das neues ETWAS gleich gut für uns sein? Welche Garantie haben wir, dass das neue Bündnissystem Europas nicht wie die traditionelle „Pentarchie“ aussehen wird?

Die „großen Länder“ tendieren immer dazu. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war es der amerikanische Präsident (Franklin D. Roosevelt), der die Idee von „vier Polizisten“ als Garantie für zukünftigen Frieden propagierte. Mit vielen Modifikationen (die ursprünglichen vier wurden mit Frankreich erweitert) wurde es schließlich in den UN-Sicherheitsrat eingebettet.

Was wir „westlichen Verrat“ oder „Jalta-Verrat“ nennen, war eigentlich eine jahrhundertealte Tradition der „großen Länder“, die uns – die kleinen Länder – untereinander austauschten. Die vier (fünf) Polizisten einigten sich untereinander darauf, dass wir (die kleinen Länder Osteuropas) gezwungen werden, dem von Sowjetunion dominierten „Hegemonbündnis“ beizutreten. Niemand hat uns gefragt, ob es uns gefällt oder nicht.

Aus Facebook-Fanpage "In Ukraine"

Wir sehen die NATO als das Einzige, was uns davor bewahren kann, dass so etwas noch einmal passiert. In der NATO haben wir zumindest eine Stimme.

Das „neue Bündnis“ müsste sich stark an die NATO anlehnen, weil die NATO viel in Sachen Standardisierung und Vereinheitlichung erreicht hat. Es gibt immer eine klare Befehls- und Kommunikationskette.

In der Geschichte der Militärbündnisse war dies immer ein ernstes Problem. Sowohl die Kriegsanstrengungen der Achsenmächte als auch der Alliierten litten stark unter dem Mangel an gegenseitigem Vertrauen und Kommunikation – Mussolini und Hitler waren nicht in der Lage und/oder nicht bereit, ihre Bemühungen zu koordinieren. Auf Seiten der alliierten war es vielleicht etwas besser, aber die Rivalität zwischen Montgomery und Eisenhower behinderte auch den Feldzug an der Westfront.

Die „neue Allianz“ müsste diese ganze Arbeit entweder wegschmeißen – und das wäre einfach eine riesige Ressourcenverschwendung. Oder sie würde NATO-Standards, NATO-Handbücher, NATO-Munition, von der NATO geschultes Personal, NATO-Gebäuden und natürlich das berühmte „Whisky-Tango-Foxtrott“-NATO-Schreibsystem verwenden. Wir würden am Ende eine umbenannte NATO haben, mit einem neuen Logo und neuem Briefpapier. Wieso sich dann die Mühe machen?

Ein Ausschnitt von Noam Chomsky (aus Truthout) (Übersetzung: "Irgendwie habe ich die Rufe der Linken nach einer Wiederbelebung des Warschauer Pakts vermisst, als die USA in den Irak und nach Afghanistan einmarschierten und auch Serbien und Libyen angriffen - natürlich immer mit Vorwänden").

Von all den dummen Dingen, die Noam Chomsky jemals über die NATO gesagt hat, ist das oben zitierte  das dümmste (aus seinem Interview mit C.J. Polychroniou vom Februar 2023). Auch wenn er sarkastisch sein sollte, ist allein die Vorstellung, dass „die Linke die Wiederbelebung des Warschauer Paktes fordern solle“, einfach verrückt.

Erstens ist es in Warschau nicht willkommen. Polen war nämlich das erste Land, das sich VOM Warschauer Pakt emanzipierte. Dieser Name ist so dumm wie „Jerusalemer Vereinigung der Bauchspeckliebhaber“. Ehemalige Länder des Warschauer Pakts sind mehr pro-NATO als die alten NATO-Länder.

Wenn Chomsky „die Notwendigkeit einer Anti-NATO“ meint, dann existiert sie natürlich. Sie heißt OVKS (Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit) und besteht aus Russland und fünf weiteren Ländern, die Russland zum Beitritt gezwungen hat: Armenien, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisistan und Turkmenistan.

Dies ist die typische „Hegemon-Staat“-Allianz, die ich zuvor erwähnt habe. So war auch der Warschauer Pakt. Russland scheint nicht in der Lage zu sein, andere Arten von Allianzen zu bilden (die Zeit wird es zeigen, wie immer, aber ich glaube nicht, dass BRICS mehr als ein Debattierklub sein wird).

Niemand tritt dem „Hegemon“-Bündnis freiwillig bei. Man tritt ein, wenn man zu schwach ist, um es abzulehnen (und dann sucht man nach der ersten Gelegenheit, sich zu befreien). Kasachstan und Armenien versuchen bereits, sich zu emanzipieren und sehen die Chance darin, dass die Kräfte des Hegemons im ukrainischen Sumpf feststecken.

Chomsky scheint nicht zu wissen, das es die OVKS überhaupt gibt, und das kann man ihm verzeihen. Im Gegensatz zur NATO ist sie einfach eine Verlängerung der russischen Politik. OVKS ist seltsamerweise nicht nur im Ukrainekrieg, sondern auch in den jüngsten Konflikten zwischen Armenien und Aserbaidschan oder Kirgisistan und Tadschikistan abwesend.

The Ghost Writer – ein Thriller von Roman Polanski aus dem Jahr 2010 (basierend auf dem Roman von Richard Harris aus dem Jahr 2007), in dem der britische Premierminister vom IStGH wegen der kriminellen Invasion des Irak angeklagt wird. Leider war es nur politische Fiktion.

Menschen, die sagen, dass sie „Anti-NATO“ sind, erwähnen gewöhnlich Kriegsverbrechen, die von bestimmten NATO-Staaten begangen wurden. Ich persönlich halte die Invasionen im Irak und in Afghanistan für kriminell dumm und bedauere zutiefst, dass der Internationale Strafgerichtshof George W. Bush und Tony Blair nicht angeklagt hat. Damit wurde Putin ermutigt.

Aber „ist George W. Bush ein Kriegsverbrecher?“ ist eine GANZ ANDERE FRAGE als „ist eine stärkere NATO gut für Polen, Belgien, Finnland, Rumänien usw.“. Ich glaube nicht, dass die erste Frage für die zweite überhaupt relevant ist.

Ich bin nicht immer mit der Politik aller einzelnen NATO-Staaten einverstanden. Ich bin oft nicht mit der amerikanischen Politik einverstanden, ich bin oft nicht mit der französischen Politik einverstanden, ich bin oft nicht mit der türkischen Politik einverstanden, ich bin ganz sicher nicht mit der ungarischen Politik einverstanden. Ich bin oft nicht mit meiner eigenen Regierung einverstanden (und ich genieße es irgendwie, dass ich nicht in Russland lebe und das tun darf).

Aber ich sage nicht, dass "USA" für „United States of Angels“ steht. Alles, was ich sage ist: Warschau ist in der NATO besser aufgehoben als in der Neutralität – geschweige denn in einem neuen „Warschauer Pakt“ mit Russland.

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Kommentar

Gastbeitrag aus dem Eastsplaining Substack (12) – Über den „Stellvertreterkrieg“ in der Ukraine…

Es ist meine Übersetzung der Beiträge aus Eastsplaining Substack, der Autor dieser Texte ist mit der Übersetzung und Veröffentlichung einverstanden. Quelle (englisch): https://eastsplaining.substack.com/p/about-the-proxy-war-in-ukraine

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Über den "Stellvertreterkrieg" in der Ukraine...

Für unsere Freiheit und eure

Viele Menschen im Westen versuchen, den ukrainischen Unabhängigkeitskampf als „Stellvertreterkrieg“ zu diskreditieren. Du hast vielleicht bemerkt, dass diese Beleidigung in Osteuropa auf taube Ohren stößt. Hier ist der Grund dafür.

Karte von Alexander Altenhof - CC BY-SA 4.0

Dies ist die Karte von Europa im Jahr 1815. Es ist wahrscheinlich die schlimmste Zeit in der Geschichte aller unserer Länder – nicht nur Polen und die Ukraine fehlen auf der Karte, sondern beispielsweise auch Rumänien, Griechenland, Belgien und Italien. Norwegen wird großzügig erwähnt, ist aber eigentlich nicht unabhängig (es ist ein Juniorpartner von Schweden).

Die Koalition der europäischen Tyranneien gegen die französische Revolution entwickelte sich zur antinapoleonischen Koalition und schließlich zur Heiligen Allianz. Europäische Supermächte, insbesondere Österreich, Russland und Preußen, schufen eine Reihe gegenseitiger Zusicherungen, um die göttliche Macht der Könige zu schützen, indem sie alle revolutionären Bewegungen in Europa niederschlugen.

1815 sah die Demokratie aus wie eine verlorene Sache. Sollten sich Menschen – etwa in Rom – je gegen die klerikale Tyrannei des Kirchenstaates auflehnen und sagen „Wir wollen in einer säkularen Republik leben, mit freien Wahlen und Redefreiheit“, würde der Papst einfach den Österreicher um Hilfe rufen, französische oder spanische Armeen in den italienischen Marionetten-„Königreichen“ stationieren und die Rebellion im Blut ertränken. Wie es 1821, 1831, 1849 und 1859 geschah.

Ich erwähne Italien, weil damals die osteuropäischen Nationen das gleiche Schicksal mit einigen westlichen Nationen teilten, die ebenfalls „nicht auf der Landkarte vorhanden“ waren. Daraus ergaben sich einige Trivia: Italien wird in der polnischen Hymne erwähnt und umgekehrt, weil wir uns damals als Waffenbrüder im gesamteuropäischen Kampf gegen das internationale Unterdrückungssystem fühlten („Papst und Zar, Metternich und Guizot“…).

Die polnische Hymne beginnt mit der Aussage „Noch ist Polen nicht verloren, solange wir leben“. Wenn du es der ukrainischen Hymne überraschend ähnlich findest, dann deshalb, weil das polnische Kriegslied von 1797 eine Inspiration für das panslawische patriotische Lied „Hej Slawen!“ war, das wiederum eine Inspiration für die ukrainische Hymne wurde.

Die polnische Hymne geht dann in eine Deklaration über: „Marsch, Marsch, Dąbrowski, von Italien nach Polen“. Für Kinder, die es zum ersten Mal lernen, ist es seltsam: Warum geht es in der polnischen Hymne darum, von Italien nach Polen zu marschieren, sollte es nicht umgekehrt sein? Und wer zum Teufel ist Dąbrowski?

Die italienische Hymne besagt, dass der „österreichische Adler“ in Begleitung von Kosaken polnisches und italienisches Blut getrunken hat, aber er wird daran ersticken. Dieses Gefühl der Brüderlichkeit war im 19. Jahrhundert real. Damals kämpften polnische Freiwillige für die italienische Freiheit, aber auch italienische Revolutionäre für die Freiheit der Balkanstaaten.

Ein Denkmal, das Tadeusz Kościuszko gewidmet ist – dem Held Polens und der USA (Bildnachweis unbekannt)

Die Revolutionäre des 19. Jahrhunderts glaubten allgemein, dass die Förderung der Freiheit überall die Sache der Freiheit voranbringen würde. Wenn du dich die Karte von 1815 ansiehst, war das nicht so dumm. Wenn das österreichische Kaiserreich in Italien geschlagen wird, könnten polnische Revolutionäre in Galizien eine Chance haben.

Fast jedes Land auf dieser Karte ist eine autokratische, absolute Monarchie (die Schweiz ist die größte Ausnahme). Keine Verfassungen! Sie kämpften gegen Napoleon, genau um die Idee des Konstitutionalismus zu töten – und 1815 schien es, als hätten sie es geschafft.

Natürlich war es für beide Seiten, Revolution und Reaktion, sehr naiv. Die Reaktionäre waren unangenehm überrascht, dass dieses undurchdringliche System nicht so undurchdringlich war. Mit Ausnahme von Russland haben sich alle diese Länder innerhalb von 100 Jahren in Republiken oder konstitutionelle Monarchien verwandelt.

Die Überraschung der Revolutionäre war noch bitterer. Die Gleichsetzung von „Freiheit“ und „Unabhängigkeit“ erwies sich als Irrtum, als unsere Länder 1918 (wieder) auf der Landkarte auftauchten. Kurze Experimente mit der Demokratie endeten ziemlich bald in autokratischen Putschen, und in den 1930er Jahren war es (fast) alles Diktatur.

Was noch schlimmer war: Es stellte sich heraus, dass die bis dahin unterdrückten kleineren Nationen nicht kooperieren konnten. 1848 hieß es „Freiheit für einen bedeutet Freiheit für alle“. 1918 wurde daraus „Polen gegen alle Nachbarn“, „Tschechoslowakei gegen alle Nachbarn“, „Ungarn gegen alle Nachbarn“, „Jugoslawien gegen alle Nachbarn“, „Griechenland gegen alle Nachbarn“ – und so weiter.

Mitteleuropa Ende 1940. Die meisten Länder, die um 1918 auf dieser Karte (wieder) auftauchten, verschwanden wieder von der Karte. Jugoslawien ist noch da, aber nicht mehr lange. Karte von San Jose CC BY SA 3.0

Dies führte zu einer Reihe der schrecklichsten Fehler in der Außenpolitik unserer Länder. Am Ende kämpften wir entweder allein gegen Hitler und/oder Stalin – und verloren, wie Polen. Oder als ihre Vasallen, die einfach „freiwillig“ aufgegeben haben, in der Hoffnung, dem Schicksal Polens zu entgehen. Bis 1940 waren unsere Länder wieder größtenteils von der Landkarte verschwunden (auch wenn einige von ihnen als Marionettenstaaten überlebten).

Die polnischen Soldaten, die es aus dem gefallenen Land geschafft haben (meistens über Rumänien und Ungarn), taten, was ihre Vorfahren in ähnlicher Lage taten. „Polen ist noch nicht verloren“, also kämpften sie in Frankreich, Norwegen und Nordafrika.

Polnische Kampfpiloten des 303. RAF-Geschwaders schützten den britischen Himmel während des Blitzes. Sie hatten gehofft, den polnischen Himmel irgendwann schützen zu können - sie hatten nie die Gelegenheit dazu.

Gene Hackman als Sosabowski in dem epischen Attenborough-Film – kurz davor, einen Stellvertreterkrieg für Polen in Holland zu führen

Sosabowskis Fallschirmjäger trainierten in der Hoffnung, in Polen abgesetzt zu werden. Stattdessen wurden sie nach Arnheim geschickt. Die Briten sagten, es sei „eine Brücke zu weit“, aber für sie waren es immer noch „99 Brücken vor Polen“.

Für die Soldaten von Maczek und Anders war der Westfeldzug des Zweiten Weltkriegs ein Stellvertreterkrieg. So wie der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ein Stellvertreterkrieg für Tadeusz Kościuszko und Kazimierz Pułaski war. Der Amerikanische Bürgerkrieg wurde von den Soldaten der Polnischen Legion als Stellvertreterkrieg angesehen, der Spanische Bürgerkrieg von den Soldaten der Polnischen Brigade („Dąbrowszczacy“).

„Im Namen Gottes, für unsere und eure Freiheit“ - Banner des (wie üblich) gescheiterten polnischen Aufstands von 1830-1831

Wir halten das Motto „Für unsere und eure Freiheit“ hoch. Manchmal kannst du nicht direkt für dein Land kämpfen, also kämpfst du für ein anderes Land – es ist dann ein Stellvertreterkrieg. In Osteuropa verehren wir Menschen, die in diesen Stellvertreterkriegen gekämpft haben, als unsere größten Helden.

Ich werde es mit nur einem Beispiel beenden: Józef Bem alias Murat Pasha. Er kämpfte für Polen. Als es nicht mehr ging, kämpfte er für Ungarn. Als es nicht mehr ging, kämpfte er für die Türkei. Er starb in Aleppo.

Der große polnische Dichter Cyprian Norwid hat ein sehr intensives Gedicht über seinen Tod geschrieben, in dem er sein imaginäres Begräbnis beschreibt – stilisiert als surreale antike Zeremonie. Wie jeder anständige Dichter der Romantik war Norwid ein Drogenkonsument, und seine Vorstellungskraft war nicht von dieser Welt.

Das Gedicht wurde 1969 von Czesław Niemen (Roger Waters alberte damals noch mit „Ummagumma“) als psychodelischer Progressive Rock umgearbeitet. Auch wenn du die polnischen Worte nicht verstehst, kannst du das vom grimmigen Chor wiederholte lateinische Motto hören – angeblich ein Zitat von Hannibal – „ius iurandum patri datum usque ad hanc diem ita servavim“ („das Ehrenwort, das ich gegeben habe meinem Vater [Land] habe ich bis heute gehorcht“).

Höre dich diesen Song an - und sei es nur, um deine Prog-Rock-Hipster-Referenzen zu verbessern. Und denke daran, was wir denken, wenn jemand sagt: „Die Ukraine führt einen Stellvertreterkrieg“. Unsere Antwort: „Ja, und?

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